Neue Ausgabe Gesund & Sozial 2 2020

Gesund und Sozial 2 2020 Offensive Gesundheit
Gesund und Sozial 2 2020 Offensive Gesundheit

Die Coverstory der aktuellen Ausgabe informiert über die Offensive Gesundheit, einem Zusammenschluss von Gewerkschaften und Kammern, sowie ihren Forderungen für den Gesundheitsbereich und die Langzeitpflege.  

Chefredakteur Karl Preterebner berichtet von ersten Gesprächen mit dem BMWD (Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort) zur Einführung einer Pflegelehre und stellt fest: "Pflegelehre- nein danke!" 

Weitere Themen dieser Ausgabe sind unterschiedliche Regelungen zu den COVID_19 Gesetzen in den verschiedenen Berufsrechten, der Start der Gehaltsverhandlungen für Gesundheitsberufe in Oberösterreich, das Seminarprogramm der ÖGB/ARGE- FGV für Herbst, Buchtipps und vieles andere mehr.

Wir wünschen viel Spaß mit der neuen Ausgabe!

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„Offensive Gesundheit“: Strukturdialog mit Gesundheitsministerium gestartet

Die VertreterInnen der Offensive Gesundheit bei Rudi Anschober (Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz)
Die VertreterInnen der Offensive Gesundheit bei Rudi Anschober (Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz)
Gemeinsamer Prozess soll Minister Rudi Anschober Umsetzungsvorschläge liefern – „Stellen unsere Expertise gerne zur Verfügung“
 
Vergangene Woche warteten die Vertreterinnen und Vertreter der Initiative „Offensive Gesundheit“ vor dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz mit einem eindringlichen Videoappell an Minister Rudi Anschober auf, kurz darauf wurden bereits erste Gespräche vereinbart. Heute, Donnerstag, einigten sich nun die Initiative und Anschober auf einen gemeinsamen Prozess, den Strukturdialog „Roadmap Gesundheit 2020“, um ein zukunftssicheres System für Gesundheit und Langzeitpflege in Österreich zu schaffen. 
 
Der Strukturdialog „Roadmap Gesundheit 2020“ hat als Ziel, das Bundesministerium inhaltlich mit Argumenten und Umsetzungsvorschlägen zu unterstützen, damit strukturell wichtige Schritte gesetzt und bei den Budgetverhandlungen im Herbst 2020 entsprechende Mittel bereitgestellt werden.
 
Inhaltlich basiert der Strukturdialog auf dem zuletzt vorgelegten „Sechs-Punkte-Programm“ der „Offensive Gesundheit“; es werden in den kommenden drei Monaten in sechs „Gesundheitspanels“ in insgesamt 36 „Sessions“ Umsetzungsvorschläge zu den großen systemrelevanten Themen Personal, Arbeitsbedingungen, Ausbildung, Weiterentwicklung, Investitionen und Versorgungssicherheit verhandelt.
 
Teilnehmer des neuen Strukturdialogs sind neben dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz die Vertreter der „Offensive Gesundheit“: die Arbeiterkammer Wien, die Ärztekammer für Wien, die ÖGB / ARGE - FGV Gesundheits- und Sozialberufe sowie die Gewerkschaften GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, GPA-djp, Gewerkschaft vida und younion HGII – Team Gesundheit.
 
„Corona-Lehren auch in Zukunft handlungsanleitend“
Für die „Offensive Gesundheit“ sind die Beschäftigten im Gesundheits- und Langzeitpflegewesen auf eine rasche Umsetzung der „Roadmap Gesundheit 2020“ angewiesen, damit die hohen Belastungen effektiv reduziert werden können. „Mehr Personal im Gesundheitswesen und in der Langzeitpflege sowie die qualitativ hochwertige Versorgung der Menschen in Österreich sind unser Ziel“, so die gemeinsame Zielsetzung der Initiative.
Gesundheits- und Sozialminister Rudi Anschober dazu: „Ich freue mich über diese große Unterstützung. Wir haben heute fixiert, dass wir bereits den Rahmen für einen gemeinsamen Arbeitsprozess nützen. Corona hat uns gezeigt, wie wichtig ein starkes Gesundheitssystem und dabei die umfassende Reform der Pflege sind. Die nächsten Monate stellen dafür die entscheidende Phase dar.“
 
Für alle Beteiligten steht bereits vor dem Beginn des Strukturdialogs fest: „Was wir während der Corona-Pandemie gelernt haben, muss auch in Zukunft für uns handlungsleitend sein: Ein funktionierendes Gesundheits- und Langzeitpflegesystem ist zentraler Faktor für die Menschen, ihre Gesundheit, ihr finanzielles, soziales und berufliches Wohlergehen.“ Schlussendlich sei das auch „essenziell für das Wirtschaftssystem und damit für die Lebensqualität der gesamten Gesellschaft“.

Einladung zum Foto- und Pressetermin der „Offensive Gesundheit“: Videoappell an Minister Anschober - 1. Juli, 8:30 Uhr

Offensive Gesundheit: „Mehr von uns. Besser für uns alle.“
Offensive Gesundheit: „Mehr von uns. Besser für uns alle.“
Öffentliche Übertragung des Videoappells auf Installation mit großflächigen LED-Bildschirmen vor Sozialministerium – Überreichung des Positionspapiers an den Minister

13 Menschen aus 13 verschiedenen Berufen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich richten sich an die Politik und sprechen direkt aus ihrer Erfahrung und Praxis, was derzeit fehlt und dringend benötigt wird. Sie verleihen der „Offensive Gesundheit“ in ihrem dramatischen Videoappell ihre Stimmen und fordern, gehört zu werden. 
 
Die Vertreterinnen und Vertreter der „Offensive Gesundheit“ gehen ab sofort gemeinsam neue Wege und präsentieren ein Sechs-Punkte-Programm für ein zukunftssicheres System der Gesundheit und Langzeitpflege, das sie nun auch an Rudolf Anschober, Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, übergeben werden.
Zu diesem Thema lädt die „Offensive Gesundheit“ zu einem Foto- und Pressetermin ein.
 
Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
  • Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien und der Bundesarbeitskammer
  • Thomas Szekeres, Präsident der Wiener und Österreichischen Ärztekammer
  • Josef Zellhofer, Bundesvorsitzender der ÖGB/ARGE FGV Gesundheits & Sozialberufe
  • Susanne Jonak, Vorsitzende der Hauptgruppe II – younion_Die Daseinsgewerkschaft
  • Martina Kronsteiner, Gesundheitsberufe in der GPA-djp
  • Gerald Mjka, Stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft vida
  • Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft

Datum: Mittwoch, 1. Juli 2020, 08.30 Uhr
Ort: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Eingang Sozialministerium), Ecke Stubenring/Oskar-Kokoschka-Platz, 1010 Wien

Video der Offensive Gesundheit: „Mehr von uns. Besser für uns alle.“

Offensive Gesundheit

Offensive Gesundheit: „Mehr von uns. Besser für uns alle.“

Offensive Gesundheit:  „Mehr von uns. Besser für uns alle.“
Offensive Gesundheit: „Mehr von uns. Besser für uns alle.“
LEITGEDANKE
 
Für die Beschäftigten des Gesundheitsbereichs und der Langzeitpflege ist die Arbeit oft mehr als nur ein Beruf: Sie arbeiten für die Menschen und für ihre Gesundheit. Diese hohe Motivation und große Leistungsbereitschaft ist jedoch auch mit großer Verantwortung und Herausforderungen verbunden, welche die Kolleginnen und Kollegen immer häufiger an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Dass sie täglich ihr Bestes geben, reicht auf Dauer leider nicht aus, denn die Grenzen der Belastbarkeit sind längst überschritten.
Die Vertreterinnen und Vertreter der Offensive Gesundheit gehen daher gemeinsam neue Wege und präsentieren ein Sechs-Punkte-Programm für ein zukunftssicheres System der Gesundheit und Langzeitpflege:
 
Die Offensive Gesundheit ist eine Initiative sämtlicher für den Bereich der Gesundheit und Langzeitpflege verantwortlichen Fachgewerkschaften und Kammern
• Arbeiterkammer Wien
• Ärztekammer für Wien - Kurie der angestellten Ärzte
• GÖD-Gesundheitsgewerkschaft
• GPA-djp
• ÖGB/ ARGE - FGV Gesundheits- und Sozialberufe
• vida
• younion HGII – Team Gesundheit
 
Wir sind Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen Spezialisierungen. Um unsere Berufe weiterhin mit Hingabe und Erfolg ausüben zu können, benötigt es Sicherheit, ausreichend Personal sowie gute (einheitliche) Rahmenbedingungen.
Die enorm wachsenden Anforderungen und die Überlastung der Kolleginnen und Kollegen wird durch den kontinuierlich steigenden Personalmangel drastisch weiter verschärft. Diese Arbeitsbedingungen erschweren es Dienstpläne einzuhalten, Abgänge und karenzierte Kolleginnen und Kollegen nach zu besetzen sowie durch zu viel Administration, starre Arbeitszeitmodelle und eine nicht zeitgemäße Ausstattung des Arbeitsplatzes ihrer eigentlichen Berufung nachzukommen. Das ist nicht länger tragbar!
 
Erschwerend kommt hinzu, dass es derzeit für die meisten Berufsgruppen im Gesundheitswesen und der Langzeitpflege entweder gar keine oder nur unzureichende Vorgaben für die Personalbedarfsberechnung in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen gibt.

AUSGANGSLAGE
Schwierige Arbeitsbedingungen führen unter anderem zu einem enormen Mangel an Gesundheitsfachpersonal in allen Bereichen. Überbordende Überstunden, starre Arbeitszeitmodelle, zu viel Administration, nicht zeitgemäße Ausstattung des Arbeitsplatzes und zu wenig Zeit für
Kranke und Pflegebedürftige sind nur einige der brennenden Probleme. Die personelle Unterbesetzung führt schon heute zu kritischen Situationen. Menschen, die auf Gesundheits- und Pflegeleistungen angewiesen sind, erhalten nicht immer das volle Ausmaß an Unterstützung und Hilfe, die sie benötigen. Dies erschwert es ausreichend engagierte Menschen für die Gesundheitsberufe zu begeistern und die notwendige Anzahl an hoch qualifizierten Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen und im Beruf zu halten.
 
Das gesamte Gesundheitspersonal arbeitet in einem Ausnahmezustand und ist schon lange am absoluten Limit ihrer Möglichkeiten angelangt. Die Würde der Menschen muss immer berücksichtigt werden - das gilt auch in der Arbeitswelt und insbesondere in den Bereichen Gesundheit und Pflege. Die Situation hat sich durch die Corona-Pandemie deutlich verschärft und wird sich durch den wachsenden Bedarf weiter zuspitzen.
 
Konkrete Einflussfaktoren für die veränderten Rahmenbedingungen:
• Verstärkter Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen allein aufgrund der demografischen Entwicklung
• Pensionierungswelle der Babyboomer Generation führt zu weniger Personal
• Veränderungen und Zunahme von gleichzeitig auftretenden Krankheitsbildern (Multimorbidität)
• starker Anstieg kognitiver Beeinträchtigung wie zB. demenzieller Veränderungen)
• Steigende Hygiene-Anforderungen (z.B. durch multiresistente Keime)
• Physische und psychische Belastungen durch Arbeitsverdichtung
• Fehlende Planbarkeit der Freizeit, ständiges „Einspringen“ führt zu Überstunden (Stichwort Dienstplanstabilität) und macht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Privatleben unmöglich
• Zu wenig Ressourcen in der Personalplanung für Fehlzeiten (Alter, gesundheitliche Einschränkungen, Urlaub, Krankenstand, Fortbildungen, Schwangerschaft, Karenz, Teilzeitbeschäftigung …)
• stetiger Leistungsanstieg findet in der Personalplanung keine Berücksichtigung

UNSERE ZIELE
Das Hauptziel unserer neuen Plattform ist die Verbesserung der Rahmen- und Arbeitsbedingungen zur Aufrechterhaltung eines krisenfesten Gesundheits- und Pflegesystems in Österreich. Was sich durch die Corona Pandemie gezeigt hat, muss auch in Zukunft für uns handlungsleitend sein: Ein funktionierendes Gesundheits- und Pflegesystem ist zentraler Faktor für die Menschen, ihre Gesundheit, ihr finanzielles, soziales und berufliches Wohlergehen, schlussendlich für unser Wirtschaftssystem und damit für die Lebensqualität der gesamten Gesellschaft. Das dürfen wir auch nach der Corona-Krise nicht vergessen. Es müssen nun endlich die Jahre des Ausbaus und der Investitionen folgen.
Die Anerkennung der Bevölkerung für die herausragenden Leistungen in Medizin und Pflege, war in den letzten Monaten immens. Auch wenn das Klatschen längst wieder verstummt ist, muss der Zuspruch und die Unterstützung der Bevölkerung zu einer spürbaren und dauerhaften Verbesserung der Rahmen- und Arbeitsbedingungen führen. Unser Gesundheits- und Pflegesystem ist sehr vielfältig und hat in der Krise ebenso viele Stärken, wie auch enormen Bedarf an Verbesserungen offenbart. Eine gemeinsame Initiative ist notwendig, um aufzuzeigen, dass politische Entscheidungen unumgänglich sind, um unser Gesundheits- und Pflegesystem vor einem zukünftigen Kollaps zu bewahren.
Wir fordern Taten und vereinen uns unter dem Motto „Mehr von uns. Besser für alle“:

„Unsere 6 Punkte für ein zukunftsfittes Gesundheitssystem“
1. „Wir brauchen mehr Personal. Nach einheitlichen Kriterien.“
Wir gehen in die Offensive für mehr Personal und Fachkräftenachwuchs
• Die Aufstockung des Personals muss nach einer österreichweit verpflichtenden, einheitlichen, transparenten und evidenzbasierten Personalbedarfsberechnungsmethode unter Einberechnung von Ausfallszeiten (z.B. Urlaub, Fortbildung, Krankenstand, Schwangerschaft und Karenz) und zeitlichen Ressourcen für Ausbildung erfolgen.
Nur dann sind bestmögliche Qualität und optimale Versorgung gewährleistet! Es geht nicht um betriebswirtschaftliche Überlegungen. Es geht um Menschen!
• Als ersten Schritt fordern wir Mindestregelungen für die Berechnung des Personalbedarfs wie zB schnellere Nachbesetzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder die Nichteinberechnung beispielsweise von Führungspersonal oder auch Reinigungskräften in die medizinischen und pflegerischen Basisleistungen

2. „Das Gesundheits- und Pflegesystem muss weiterentwickelt werden.“
Die Einbindung der Expertinnen und Experten vor Ort sichert Erfolg und Akzeptanz:
• WIR sind die Expertinnen und Experten, wenn es um Gesundheit geht.
Sämtliche Weiterentwicklungen des Gesundheits- und Pflegesystems müssen unter Einbindung der und in Abstimmung mit den Betroffenen erfolgen.
• Reformen dürfen keinesfalls zu Lasten der Beschäftigten und Patientinnen und Patienten gehen.
 
3. „Aus- und Weiterbildungsoffensive
Mehr und attraktive Ausbildungsplätze sichern gut ausgebildeten Nachwuchs
• rasche und wirkungsvolle Umsetzung des im Regierungsprogramm vereinbarten Ausbildungsfonds.
• vereinfachter Zugang zu verpflichtenden Weiterbildungen
 
4. „Gesundheit muss etwas wert sein.“
Investitionen ins Gesundheits- und Pflegesystem bringen allen was.
• Corona hat gezeigt, dass die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen der falsche Platz sind, um den „Rotstift“ anzusetzen. Das ist auch ökonomisch sinnvoll, denn Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sind wichtige und wirkungsvolle Wirtschaftsmotoren.
• Die zukünftige Personalsicherheit im Gesundheits- und Pflegesystem kann nur mittels Investitionen in attraktive Ausbildungen und gute Arbeitsbedingungen gewährleistet werden. Die Aufstockung der budgetären Mittel dafür ist daher rasch sicherzustellen und umzusetzen.
 
5. „Wir müssen die Arbeitsbedingungen verbessern.“
Bessere Arbeitsbedingungen sowie Gehaltsanpassungen motivieren junge Menschen einen Gesundheitsberuf zu ergreifen und hält sie länger in Beschäftigung:
• Schaffung von modernen Arbeitszeitmodellen, die sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen orientieren (lebensphasengerechtes Arbeiten, flexible Arbeitszeiten, temporäre Teilzeitmodelle für Kinderbetreuung, Altersteilzeit, Verbesserung der Work Life Balance, usw.)
• Mehr Dienstplansicherheit für planbare Frei- und Arbeitszeit
• Maßnahmen zur Reduktion von belastenden Situationen, wie beispielsweise strukturelle Überlastung in Ambulanzen und Nachtdiensten
• Mehr Zeit für Menschlichkeit um die Anforderungen an personen-orientierte Versorgung auch bei komplexen Fällen erfüllen zu können
 
6. „Ressourcen- und Ausrüstungs-Engpässe müssen unter allen Umständen vermieden werden.“
Umfassende Planung sichert die Versorgung überall
• Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar: Es braucht eine gesamt-österreichisch und institutionenübergreifend koordinierte Mittel- und Ressourcenplanung, damit es zu keiner Knappheit von überlebensnotwendigen Ressourcen wie Desinfektionsmitteln, Schutzausrüstung und Medikamenten etc. kommt.
• Sicherstellung einer umfassenden regionalen Versorgung.

UNSERE ZUKUNFTSVISION
Die Offensive Gesundheit, ein Schulterschluss der relevanten Player, steht für das Bewusstsein, dass die Beschäftigten im Gesundheitswesen und der Langzeitpflege mehr wertgeschätzt werden und sich diese in strukturellen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen niederschlagen muss!
Die Anerkennung der Bevölkerung für die in den Gesundheitsberufen tätigen Kolleginnen und Kollegen, vor allem in Medizin und Pflege, war in Zeiten der Pandemie immens. Diese wertschätzende Dankbarkeit muss sich in spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen auswirken. Das ist für einen guten Fortbestand unserer Kliniken und Pflegeeinrichtungen unerlässlich.
Wer den Personalnotstand von morgen bekämpfen will, muss die Beschäftigten von heute wertschätzen und jetzt handeln.

Die Corona-Pandemie hat uns die Grenzen der Belastbarkeit des Gesundheits- und Pflegesystems aufgezeigt. Wir brauchen daher umgehend: „Investitionen, Investitionen, Investitionen“.
Jetzt geht es darum, diese Grenzen zu überwinden und Perspektiven für eine moderne Gesundheits- und Pflegeversorgung mit guten Arbeitsbedingungen aufzuzeigen. Der demografisch bedingte, gewaltige Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen kann nur mit gut qualifizierten, motivierten, zufriedenen und in ausreichender Anzahl vorhandenen Menschen in den Gesundheitsberufen bewältigt werden.

Erste Gespräche zur Pflegelehre

Bundessekretär Preterebner nahm für die ÖGB/ARGE- FGV an den Gesprächen zur Pflegelehre teil
Bundessekretär Preterebner nahm für die ÖGB/ARGE- FGV an den Gesprächen zur Pflegelehre teil

Am 26. Mai fand die erste Besprechung des BMWD zur Einführung einer Pflegelehre statt. Auch die ÖGB/ARGE- FGV war durch ÖGB/ARGE- FGV Bundessekretär Karl Preterebner vertreten. Dieser berichtete, dass die Ausbildung 3-jährig sein, mit der Pflegefachassistenz (PFA) abschließen und ab dem Schuljahr 2021/22 starten soll. 

Eine wesentlicher Kritikpunkt der ÖGB/ARGE- FGV an der Pflegelehre in den vergangenen Jahren war immer, dass die Arbeit an PatientenInnen frühestens ab dem 17. Lebensjahr beginnen darf und dies auch durch internationales Recht festgeschrieben ist. Dieser Punkt steht zum jetzigen Zeitpunkt außer Streit und das ist gut so. 

Preterebner betont allerdings, dass ohne strukturelle Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen ein zusätzlicher und unnötiger Ausbildungsweg den Personalmangel nicht beheben wird! Die Gründe, wieso KollegInnen den Beruf verlassen oder erst gar nicht darin zu arbeiten beginnen, sind, wie wir aus zahlreichen Untersuchungen und Befragungen wissen, die schlechten Arbeitsbedingungen. Permanente Mehrarbeit, unsichere Dienstpläne, Personalmangel, uneinheitliche Personalberechnungsmethoden u.a. sind nur einige der Gründe, wieso viele KollegInnen unzufrieden sind. Daran wird auch eine neue Form der Ausbildung, die Einführung eines neuen Ausbildungsweg nichts ändern. 

„Wir werden in den kommenden Monaten an den Besprechungen teilnehmen und versuchen den Gedanken der Pflegelehre in die beliebten und zukunftsfähigen Modelle der BMS und BHS zu ändern, um die beste Lösung in Hinblick auf Ausbildungsqualität und Durchlässigkeit zu sichern, denn Applaus und ein Durchpeitschen von Sinnlosigkeiten ist zu wenig,“ so Preterebner abschließend.  

Stellungnahme der younion _ Die Daseinsgewerkschaft - Hauptgruppe II zur Pflegelehre

Die younion _ Die Daseinsgewerkschaft - Hauptgruppe II lehnt die Pflegelehre eindeutig und entschieden ab.

Die Gesundheits- und Pflegeberufe verfügen derzeit über ausreichende Qualifikationsstufen und dementsprechenden Zugängen dazu. Pflegeassistenz, Pflegefachassistenz und gehobener Dienst lassen sich unserer Meinung nach alle pflegerelevanten Bereiche abdecken – intra- als auch extramural.

Dem starken Wunsch, über ein Ausbildungsangebot im direkten Anschluss an die Pflichtschule zu verfügen, sind wir mit anderen Fachgewerkschaften gefolgt, indem wir die Möglichkeit der Ausbildung in den Pflegeassistenzberufen im Rahmen eines BHS Modell forciert, gestützt und letztendlich auch zur Umsetzung gebracht haben. In diesem drei- und fünfjährigen Setting kann ein sicherer, stützender und begleitender Rahmen für die jungen Auszubildenden garantiert werden, durch die Möglichkeit eines Berufsabschlusses und Matura wird auch die unerlässliche berufliche Durchlässigkeit garantiert. Die erste Bewerbungswelle zeigt, dass dieser Schultypus gut angenommen wird, wiewohl noch keine Daten zu Drop Out Quote in der Ausbildung bzw. Verweildauer im Beruf von AbsolventInnen dieser Ausbildungsform vorliegen. Es macht daher aus jetziger Sicht überhaupt keinen Sinn, zusätzlich eine Lehre einzuziehen.

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GPA-djp: Pflegelehre ist die falsche Antwort auf die Krise

Große Pflegereform jetzt angehen!

„Nachdem in der Coronakrise offenkundig wurde, welch zentrale und wichtige Rolle die Beschäftigten im Pflegebereich für die gesamte Gesellschaft spielen, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die schon jahrelang angekündigte große Pflegreform endlich umzusetzen und die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte nachhaltig zu verbessern. Die überstürzte und wenig durchdachte Einführung einer Pflegelehre ist definitiv nicht die richtige Antwort auf die aktuelle Situation“, so Eva Scherz vom GPA-djp-Wirtschaftsbereich Gesundheit und Soziales. 

„Ein neuer Lehrberuf Pflege könnte aufgrund der spezifischen Anforderungen negative Auswirkungen auf die gesamte Lehrausbildung haben. Anstatt jetzt einen neuen Lehrberuf aus der Taufe zu heben, für den die Ressourcen gar nicht vorhanden sind, wäre es viel sinnvoller, im Rahmen einer Gesamtreform in bestehende Ausbildungswege zu investieren und sie zu attraktivieren“, so die Bundesjugendvorsitzende der GPA-djp Susanne Hofer. 

„Um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, braucht es attraktivere Arbeitszeiten, bessere Bezahlung und Personalschlüssel. Eine Fragmentierung der Ausbildung löst keine der anstehenden Probleme, sondern schafft nur Verunsicherung“, so Scherz.

Gewerkschaft vida warnt vor Pflegelehre

Misere im Gesundheitsbereich nicht auf Rücken der Jungen austragen! 

Brunner: „Wer glaubt, Personalmangel im Pflegebereich mit Pflegelehre zu lösen, ist auf dem Holzweg“

Wirtschaftsministerin Schramböck verlautbarte diese Woche im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung ihre Pläne der ehestmöglichen Umsetzung der Pflegelehre. Eine gesetzliche Grundlage dafür soll bereits in Ausarbeitung sein. „Wenn die Pflegelehre die Antwort der Bundesregierung auf die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich ist, dann kann das nur ein schlechter Witz sein. So wirkt es nämlich“, sagt vida-Bundesjugendsekretär Roman Brunner, der trotz der bereits fixiert scheinenden Lehre betont, dass die Pflege von Akut-Patienten, Demenzkranken und Palliativ-Patienten eine zu große psychische und physische Belastung für Jugendliche ist. Sogar für Erwachsene stellt sie eine große Herausforderung dar. „Wenn junge Menschen die Begleitung von Palliativ-Patienten übernehmen müssen oder bei der Versorgung von Akut-Patienten eingesetzt werden, dann ist das unverantwortlich gegenüber der Jugend. Es birgt die Gefahr, sehr rasch in ein Burn-out zu fallen oder wieder aus dem Beruf auszusteigen. So etwas darf man nicht zulassen.“ Die Gewerkschaft vida hat sich nicht zuletzt deswegen seit Anbeginn der Diskussion vor einigen Jahren klar gegen die Pflegelehre ausgesprochen.

Dass die Arbeit im Bereich der Pflege für einen jungen Menschen zu belastend ist, unterstreicht auch Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste der Gewerkschaft vida. „Es darf keinesfalls zu einer Ausbeutung junger Menschen als billige Arbeitskräfte kommen. Wenn die Pflege-Wirtschaft qualitativ gut ausgebildete Personen will, dann muss man ihnen auch die Zeit geben, eine Ausbildung zu machen und den Bereich attraktiver gestalten“, stellt die Gewerkschafterin klar: „Mit einer Pflegelehre löst man weder die Probleme der Jugendarbeitslosigkeit noch Personalmangel in Pflegeberufen. Die Misere im Gesundheitsbereich darf nicht auf dem Rücken der jungen Generation ausgetragen werden.“

Eine Alternative zur Pflegelehre ist, wie Gassner erklärt, eine schulische Ausbildung. „Die Pflegeassistentin muss in einer mittleren berufsbildenden Schule ausgebildet werden, die Pflegefachassistentin in einer höheren berufsbildenden Schule. Es gibt auch schon einen Schulversuch dafür, den wir als vida natürlich unterstützen. Nur solche Ausbildungen sind eine langfristige und echte Perspektive für den Fachkräftemangel auch in der Pflegebranche“, so Gassner. Wie wenig durchdacht der Plan Schramböcks und der Regierung ist, zeige laut vida Jugend-Gewerkschafter Brunner auch die gesetzliche Lage. „Wenn man diese Schul-Organisationsform übernimmt, erspart man sich das aus unserer Sicht eigenartige Konstrukt einer Pflegelehre, da man ja per Gesetz ohnehin erst ab 17 Jahren am Krankenbett arbeiten darf. Diese gesetzliche Regelung gibt es nicht ohne Grund. Die Umsetzung der Pflegelehre dauert außerdem zu lange, um Jugendliche vor Arbeitslosigkeit zu schützen. Neue Schulstandorte sind hier akut notwendig. Bildungsminister Faßmann und Wirtschaftsminister Schramböck haben die Lösung in der Hand. Man muss es nur tun.“

jobundcorona.at: die wichtigsten Informationen von ÖGB und AK

Fragen zu Arbeitsrecht und Corona-Virus auf der Webeite jobundcorona.at oder telefonisch unter der Telefonhotline 0800 22 12 00 80. Erreichbar von Montag bis Freitag von 9:00 bis 19:00.  

Mach mit und bring dich ein! Initiative für einheitliche Dokumentationsregeln und allgemeine Berufspflichten für Gesundheitsberufe

AK Wien und ÖGB/ARGE- FGV stellen eigenen Vorschlag für entsprechendes Bundesgesetz zur Diskussion und bitten um Mithilfe aller interessierten Institutionen, Organisationen und Personen. 

Es ist unbestritten, dass Gesundheitsversorgung und Pflege nur durch eine gemeinsame und abgestimmte Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe funktionieren kann. Daher ist es auch sinnvoll, die Dokumentations- und Berufspflichten der Gesundheitsberufe einheitlich zu regeln. Das ist aktuell nicht der Fall, was in der Praxis immer wieder zu Unsicherheiten und unklaren Rollen- und Aufgabenverteilung führt. „Diesen Zustand wollen wir aus der Welt schaffen“, fordert Silvia Rosoli, Leiterin der Abteilung Gesundheitsberuferecht und Pflegepolitik in der AK Wien, die Dokumentations- und Berufspflichten in einem für alle Gesundheitsberufe geltenden Gesetz zu regeln.

Die AK Wien und die ÖGB/ARGE- FGV haben einen Vorschlag für eine gemeinsame Regelung der allgemeinen Berufspflichten für Gesundheitsberufe entwickelt und stellt diesen in Form eines Entwurfes für ein entsprechendes Bundesgesetz zur Diskussion. Rosoli: „Wir laden alle Institutionen, Organisationen und alle interessierten Personen ein, sich an dieser Diskussion zu beteiligen.“

Derzeit gibt es in Österreich mehr als 30 gesetzlich geregelte Gesundheitsberufe. Sie leisten in der Gesundheitsversorgung und Pflege – gerade auch in Corona-Zeiten – unter schwierigsten Bedingungen und nicht nur direkt an den PatientInnen hervorragende Arbeit. Als besonders zeitintensiv und oft belastend werden die Dokumentationspflichten empfunden. Das Gefühl und der Mythos „Was nicht dokumentiert ist, ist nicht passiert“ hält sich hartnäckig und bindet oft wertvolle Zeit, die für PatientInnen besser genützt werden könnte. Rosoli: „Hier muss dringend Klarheit und Rechtssicherheit geschaffen werden. Wir wollen mit dieser Initiative einen Beitrag leisten, die hohen Herausforderungen vor denen die Gesundheitsberufe stehen, gemeinsam besser meistern zu können“
 
Besonderer Wert auf breite Einbindung
AK und ÖGB laden alle Institutionen, Organisationen aber ausdrücklich auch alle interessierten Personen ein, den vorliegenden Vorschlag bis spätestens 15. Juli 2020 zu kritisieren, kommentieren oder zu ergänzen. Rückmeldungen an die E- Mail Adresse GP@akwien.at.
 
Die eingegangenen Rückmeldungen werden bis Ende August aufgearbeitet. Im Anschluss daran wird der Entwurf entsprechend überarbeitet und dann dem zuständigen Bundesminister Rudolf Anschober übergeben.
Den Vorschlag für ein Bundesgesetz zur einheitlichen Regelung der Pflichten der Gesundheitsberufe finden Sie hier: