Nosokomiale Infektionen: „Initiative minus 15 Prozent“ will Krankenhaus-Keime reduzieren und nimmt Politik in die Pflicht

Neue Aktion der „Initiative Sicherheit im OP“ (SIOP) und der „Plattform Patientensicherheit“ fordert 15 Prozent weniger Infektionen im Spital innerhalb von fünf Jahren

Die neue „Initiative minus 15 Prozent“, die jetzt von der „Plattform Patientensicherheit“ und der „Initiative Sicherheit im OP“ (SIOP) gegründet wurde, fordert eine Verringerung der nosokomialen Infektionen in Österreich innerhalb der nächsten 5 Jahre um 15 Prozent. „Hier ist die Politik in die Pflicht zu nehmen, von der wir ein klares Commitment für dieses Ziel fordern. Zahlreiche internationale Vorbilder zeigen, dass es mit klaren Vorgaben und gemeinsamen Anstrengungen gelungen ist, die gesteckten Ziele der Infektionsverringerung zu erreichen. In Österreich fehlen solche konkreten und verbindlichen Vorgaben“, so Dr. Maria Kletecka-Pulker, Geschäftsführerin der „Plattform Patientensicherheit“ und Direktorin des LBI Digital Health and Patient Safety. „Die COVID-Pandemie zeigt uns gerade, was zur Infektionsprophylaxe alles möglich ist. Jetzt geht es darum, diesen Schwung zu nützen und bewährte Hygienemaßnahmen unabhängig von COVID beizubehalten und gegebenenfalls auf breiter Basis zu implementieren.“

Hygiene-Facharzt Dr. Blacky: Prozentsätze durch systematisches qualitätsvolles Vorgehen kontinuierlich verringern
 
An nosokomialen Infektionen, also im Zuge diagnostischer oder therapeutischer Maßnahmen in Gesundheitseinrichtungen auftretenden Infektionen, erkranken Schätzungen zufolge in Österreich jedes Jahr etwa 95.000 Menschen, quantifiziert Dr. Alexander Blacky, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) und Mitglied der „Initiative minus 15 Prozent“ die Dimension des Problems: „Die zunehmende Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien hat zur Folge, dass viele dieser Infektionen nicht mehr wirksam behandelt werden können. 4.500 bis 5.000 Menschen sterben jedes Jahr in Österreich daran – etwa fünf Mal so viele wie im Straßenverkehr.“

Nach den Berichten des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zählen operationsbezogene Wundinfektionen („surgical site infections“, SSI) zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Dr. Blacky: „Der Anteil von SSI variiert je nach Art des Eingriffs und der Prädisposition der Patientinnen und Patienten zwischen 0,6 und 9,6 Prozent aller Operationen.“

Dr. Blacky: „Nosokomiale Infektionen verursachen vor allem Krankheit, Leid und Tod, aber sie sind auch ein beträchtlicher Kostenfaktor. Es geht daher darum, durch systematisches qualitätsvolles Vorgehen diese Prozentsätze kontinuierlich zu verringern.“

Patientenanwalt Dr. Bachinger: Transparenz und verbindliche Richtlinien für Krankenhäuser und Arztpraxen
 
„Das European Centre for Disease Prevention and Control geht davon aus, dass bis zu 30 Prozent aller nosokomialen Infektionen durch entsprechend gezielte Hygiene und Kontrollprogramme vermieden werden können. Diese beträchtlichen Potenziale gilt es durch zielgerichtete und konsequente Maßnahmen zu nützen“, fordert Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der österreichischen Patienten- und Pflegeanwälte und Mitglied der „Initiative minus 15 Prozent“. „Wir brauchen also verbindliche Richtlinien für Krankenhäuser, andere Gesundheitseinrichtungen und Arztpraxen, deren Einhaltung überprüft und deren Ergebnisse transparent gemacht werden.“

DGKP Zellhofer: Mehr qualifiziertes Personal und stärkere Patientenbeteiligung

„Ich habe nicht den Eindruck, dass es bei den nosokomialen Infektionen in den vergangenen Jahren eine Veränderung oder Verbesserung gegeben hat“, kritisiert DGKP Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE-Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe. Eine positive Ausnahme seien Weiterentwicklungen beim Wundmanagement. „Im Gegenteil, der Druck auf das Personal wird schon seit Längerem, zuletzt beschleunigt durch COVID, immer stärker. Wir brauchen mehr qualifiziertes Personal, das Probleme erkennt und Infektionsquellen zu beseitigen hilft, wir brauchen mehr Ausbildungsplätze und bessere Arbeitsbedingungen.“

Ein weiterer wesentlicher Faktor beim Bekämpfen von Krankenhauskeimen sei eine stärkere Patientenbeteiligung: „Patientinnen und Patienten muss vermittelt werden, was sie selbst tun können und welche Hygienemaßnahmen sie befolgen müssen. Hier braucht es mehr Aufklärung.“

Nosokomiale Infektionen und ihre Vermeidung zu einem Thema der Politik machen
Dr. Kletecka-Pulker: „Der ‚Initiative minus 15 Prozent‘ geht es darum, nosokomiale Infektionen und ihre Vermeidung gesellschaftlich stärker zu positionieren und zu einem Thema der Politik zu machen, ohne die es hier nicht gehen wird. Die Politik muss klare Ziele definieren und sich dafür einsetzen, dass diese auch erreicht werden. Unsere Initiative wird dabei unterstützen, informieren und das Thema aktuell halten, um vermeidbare Todesfälle durch nosokomiale Infektionen zur verhindern.“
 
Zum Weiterlesen:

Kritik an Arbeit in Spitälern und Pflegeheimen trotz positiven COVID-Befunds

"... vorsätzlichen Gefährdung von Patientinnen und Patienten durch den Minister."
Offensive Gesundheit“ sieht „vorsätzliche Gefährdung von Patientinnen und Patienten“ – Verheerendes Signal des Gesundheitsministers in Richtung der Bevölkerung

Die „Offensive Gesundheit“, ein Zusammenschluss von Gewerkschaften, Arbeiter- und Ärztekammer, kritisiert „aufs Schärfste“ die Vorgabe von Gesundheitsminister Rudolf Anschober, schwach positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter in Spitälern, Pflegeheimen und mobilen Diensten arbeiten zu lassen, obwohl Österreich derzeit vor „massiven Einschränkungen des privaten und wirtschaftlichen Lebens“ stehe. Sie spricht von einer „vorsätzlichen Gefährdung von Patientinnen und Patienten durch den Minister sowie einem verheerenden Signal in Richtung der Bevölkerung“. 
 
Damit werde der Eindruck erweckt, dass es keinerlei Bedeutung habe, einen positiven COVID-19-Befund zu haben, solange sich keine Symptome zeigten. Gerade in der aktuell zweiten Welle müsse aber alles darangesetzt werden, der Bevölkerung vor Augen zu führen, wie wichtig es sei, sich ausnahmslos an die Vorgaben der Regierung zu halten. Wenn nun positiv Getestete sogar ihren Dienst in Spitälern und Pflegeheimen verrichten dürften, würde der Bevölkerung signalisiert, dass alles „eh nicht so schlimm“ sei. Zudem werde der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig missachtet, „wobei dies eigentlich im besonderen Interesse des Gesundheitsministers liegen müsste, um die medizinische Versorgung der Österreicher auch in den nächsten Tagen und Wochen zu gewährleisten“.
 
Aufgrund der vielen Kommunikationsfehler seitens der Regierung sei schon in der Vergangenheit das Verständnis innerhalb der Bevölkerung für die lückenlose Einhaltung von Vorsichtmaßnahmen konterkariert worden. „Wie bitte soll man den Menschen nun erklären, sich an Quarantäne, Ausgangssperren und Minimierung der sozialen Kontakte zu halten, wenn auf der anderen Seite ein Minister positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Spitälern, Pflegeheimen und mobilen Diensten arbeiten lässt“, fragen die Vertreterinnen und Vertreter der Initiative.
 
Für die Offensive steht jedoch weiterhin ein freiwilliger, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern selbst entschiedener Einsatz als Kontakt 1-Person außer Frage: „Dass wir gerade jetzt zusammenhalten müssen, ist selbstverständlich. In unseren Berufen hören wir den Menschen zu und wissen, was sie brauchen, um gesund zu werden.“
 
„Unsere wichtigste Ressource in der Zeit dieser Pandemie sind jene Menschen, die beruflich alles Menschenmögliche dafür tun, dass Österreich den Kampf für unser aller Gesundheit gewinnt. Wir müssen diese Menschen schützen und unterstützen“, so die Offensive weiter. Die Einführung einer Teststrategie in Spitälern und Pflegheimen werde grundsätzlich – bis auf den Umstand, positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten zu lassen - „positiv“ gesehen. Warum es keine Teststrategie für die mobile Pflege und Betreuung sowie die Rettungs- und Krankentransporte gebe, sei jedoch „vollkommen unverständlich“, da gerade die dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ständig in Kontakt mit Risikopatientinnen und –patienten seien.
 
Anstelle die Arbeits- und Rahmenbedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits- und Langzeitpflegebereich in den letzten acht Monaten zu verbessern und eine Personaloffensive zu starten, ergreife der Bundesminister nun Maßnahmen, die „völlig unverständlich“ in Zeiten einer Pandemie seien. Die „Offensive Gesundheit“ fordert daher „eine rasche Rücknahme dieses geradezu absurden Teils der Verordnung und die Einführung einer Teststrategie auch für die mobilen Dienste“.

GPA-djp: Kritik an Arbeit in Spitälern und Pflegeheimen trotz positiven COVID-Befunds

Offensive Gesundheit“ sieht „vorsätzliche Gefährdung von Patientinnen und Patienten“ – Verheerendes Signal des Gesundheitsministers in Richtung der Bevölkerung

„Seit Beginn der Corona-Krise wurde den Pflegekräften viel zugemutet. Sie waren bei der Sonderbetreuungszeit im Nachteil und wurden von der Risikogruppenverordnung ausgenommen. Die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege haben in den vergangenen Monaten Immenses geleistet. Dass sie jetzt mit positivem Testergebnis arbeiten gehen sollen, ist eine Frechheit“, kritisiert Beatrix Eiletz, Vorsitzende des Bereichs Sozialwirtschaft (Pflege und Betreuung) in der Gewerkschaft GPA-djp.

„Pflegekräfte sind nicht die Fußabtreter der Nation. Die Politik kann sie nicht behandeln, als ob sie rechtlose Arbeitsmaschinen wären. Überall sollen Menschen, die Corona-positiv getestet sind, zuhause bleiben. Es ist nicht einzusehen, dass es hier für Pflegekräfte eine Ausnahme geben soll“, so Eiletz. 

In die gleiche Kerbe schlägt Eva Scherz, die mit Eiletz den Kollektivvertrag in der Sozialwirtschaft verhandelt: „Wir fordern von Sozialminister Anschober eine sofortige Rücknahme dieser Regelung. Pflegekräfte verdienen Wertschätzung, nicht die Gefährdung der eigenen Gesundheit.“ 

Zum Verordnungsinhalt: §10 Abs 2 der COVID-19-Schutzmaßnahmenverordnung sagt im letzten Satz: „Einem negativen Testergebnis ist es gleichzuhalten, wenn das Testergebnis zwar positiv war, aber ein ärztliches Sachverständigengutachten darüber vorliegt, dass gegen das Einlassen im Hinblick auf die Übertragung von SARS-CoV-2 keine Bedenken bestehen.“

„Tag für Tag sollen wir mit weniger Personal und weniger finanziellen Mitteln immer mehr Leistung erbringen“.

Anlässlich der Europäischen Aktionswoche zu Gesundheit und Pflege rufen die KollegInnen in Erinnerung, dass sie nicht nur in Zeiten von Corona unermüdlich für die Bürgerinnen und Bürger im Einsatz sind. Sie legen keinen Wert auf die Bezeichnung „Heldinnen und Helden“, sie sind auch nicht unzerstörbar – und brauchen dringend Verstärkung.

... nicht unzerstörbar – und brauchen dringend Verstärkung

Invest in Care, Now!

29.10. Europaweiter Aktionstag der Gesundheitsberufe
29.10. Europaweiter Aktionstag der Gesundheitsberufe

Das Video zum europaweitem Aktionstag. 

Forderungen der Offensive Gesundheit (Download .pdf)

„Offensive Gesundheit“: Unterstützung für europaweiten Aktionstag der Gesundheitsberufe

29.10. Europaweiter Aktionstag der Gesundheitsberufe
29.10. Europaweiter Aktionstag der Gesundheitsberufe
29. Oktober 2020 im Zeichen des europäischen Gesundheits- und Pflegewesens – Bewusstseinsschaffung für Probleme abseits von COVID-19 – „Ende des Heldenepos“

Die Heldinnen und Helden im Gesundheits- und Pflegesystem brennen langsam aus. Deswegen fordert die European Public Services Union (EPSU) höhere Gehälter, mehr Personal und eine allen zugängliche Qualitätsmedizin. Morgen, Donnerstag, soll ein europaweiter Aktionstag der Gesundheitsberufe unter dem Motto „Fighting for health and care beyond the pandemic“ stattfinden und damit auf die Probleme im Gesundheits- und Pflegewesen über die Corona-Pandemie hinaus aufmerksam machen. 

Die Vertreterinnen und Vertreter der „Offensive Gesundheit“ zeigen sich dabei solidarisch mit den Forderungen der EPSU und rufen auch die österreichische Bundesregierung auf, sich den Herausforderungen im österreichischen Gesundheits- und Pflegesystem „besser heute als morgen“ zu stellen, „denn auch die Heldinnen und Helden in Österreich sind am Ende des Tages nur Menschen“.

„Gerade die jüngsten Diskussionen zum Budget und möglichen fehlenden Investitionen in den Spitälern haben gezeigt, dass wir sehr genau der Regierung auf die Finger schauen müssen, wenn es um Gesundheit geht“, erklärt die Offensive. Man habe vor Kurzem mit der „Roadmap Gesundheit 2020“ Gesundheitsminister Rudi Anschober ein nützliches Werkzeug zur Verfügung gestellt, damit man Österreich sicher durch diese und zukünftige Gesundheitskrisen navigieren kann.

„Am Ende muss aber der Steuermann auch der Karte folgen, um ans Ziel zu gelangen“, erklärt Wolfgang Weismüller, Obmann der Kurie angestellte Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, den Sinn der Roadmap und meint: „In den Spitälern, die auch die schwersten Fälle der Pandemie heilen sollen, gerade jetzt budgetär zu kürzen, ist definitiv der falsche Weg.“ Was man rasch benötigt sind für Weismüller Planungssicherheit, mehr Personal und damit auch mehr Investitionen.

Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien, appelliert an die politisch Verantwortlichen: „Es gibt keinen Spielraum und keine Zeit mehr! Wie in vielen anderen Bereichen brauchen wir bei der Verbesserung der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen für die Gesundheitsberufe deutlich mehr Tempo. Das ist eine wichtige Grundlage für das Funktionieren unserer Gesellschaft - das haben wir durch die Pandemie leider eindrucksvoll erlebt. Die österreichische Bundesregierung setzt hier die falschen Prioritäten, zuletzt auch im vorgelegten Budget. 130 Millionen Euro weniger für die Spitäler – so wird die viel zitierte Pflegeoffensive nicht gelingen. Die Beschäftigten der Gesundheits- und Pflegeberufe und die Patientinnen und Patienten haben sich Besseres verdient.“
 
„Anerkennender Applaus ist nicht genug“

Auch Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, sieht nicht nur in der Corona-Krise eine absolute Zerreißprobe für die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsdienst: „Der anerkennende Applaus für die wichtige Arbeit ist schön und gut, aber auch unsere ‚Heldinnen und Helden’, die sich Tag und Nacht für das Leben anderer einsetzen, sind an den Grenzen ihrer menschlichen Belastbarkeit gelangt. Wer auch in Zukunft dringend benötigte und hoch qualifizierte Fachkräfte gewinnen und im Beruf halten will, muss jetzt investieren. Es liegt an den politischen Verantwortlichen sowie an den Dienstgebern, unsere bereits übermittelten Umsetzungsvorschläge zur Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten so rasch wie möglich umzusetzen.“

Barbara Teiber, Vorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp: „Politik ist dazu da, das Leben der Menschen zu verbessern. Im Gesundheitswesen erleben wir aber das Gegenteil: Für die Beschäftigten wird ihre Arbeit immer anstrengender. Personal fehlt, der Leistungsdruck steigt und Zeit für Patientinnen und Patienten fehlt. Pflege und Betreuung sind körperliche und emotionale Schwerstarbeit und gleichzeitig Grundgerüst unserer Gesellschaft. Entsprechend sollte die Politik handeln.“
„Unser Gesundheitswesen steht ja nicht erst seit der Corona-Krise kurz vor dem Kollaps“, stellt Josef Zellhofer, Vorsitzender der ÖGB/ARGE- Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe, fest. „Bereits davor waren viele Kolleginnen und Kollegen an der Grenze ihrer Belastbarkeit und die letzten Monate haben eindrucksvoll gezeigt, dass es so wirklich nicht mehr weitergehen kann. Wir sagen es seit Jahren, aber wir brauchen wirklich dringend mehr Personal und darüber hinaus eine grundlegende Ausbildungsreform und Arbeitsbedingungen, die nicht nur die ausschließliche Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten ermöglichen, sondern auch Raum für das Menschliche lassen!“

Mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen notwendig

„Das neue Gesundheitsbudget der Regierung zeigt auf, dass dem Gesundheitssystem Gelder entzogen werden. Gelder, die in der Pflege und in den Krankenhäusern fehlen. Dem Klatschen folgen jetzt Einsparungen, da fehlt auch die Wertschätzung gegenüber dem Personal“, kritisieren Sylvia Gassner, Vorsitzende des Fachbereichs Soziale Dienste in der Gewerkschaft vida, und Gerald Mjka, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Gesundheit. Beide fordern daher zusätzliche Budgetmittel, um Umschulungen in Pflege- und Gesundheitsberufe attraktiver zu machen. „Zudem muss endlich eine „Pflegestrategie für den Ausbau der Ausbildung und der Bedarfsdeckung beim Personal her“, so Mjka und Gassner.

„Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegesystem sind keine Superhelden, keine übermenschlichen Wesen, sondern Menschen, die unter schwersten Bedingungen das tun, wofür sie ausgebildet wurden. Sie sorgen sich dabei um ihre Patientinnen und Patienten, ihre Familien, aber auch um sich selbst und lehnen Heldenrhetorik ab“, so Susanne Jonak, Vorsitzende der younion, die Daseinsgewerkschaft, Hauptgruppe II. „Gerade die politischen Verantwortlichen wissen, dass Applaus allein keine Gesundheit schafft. Sie müssen jetzt handeln und mit uns gemeinsam die Forderungen der ‚Offensive Gesundheit‘ umsetzen.“

Die „Offensive Gesundheit“ stehe nach wie vor dem Gesundheitsminister und allen politisch Verantwortlichen für die Probleme des Gesundheits- und Pflegsystems „jederzeit zur Verfügung“. „Gemeinsam können wir rascher und effizienter Lösungen finden und mit der in die falsche Richtung gegangenen Heldensaga der hart im Gesundheits- und Pflegewesen tätigen Menschen aufräumen“, so die Offensive abschließend. 
 

Presseaussendung GÖD-Gesundheitsgewerkschaft: Bevor wir an die Grenzen der Intensivbetten stoßen, überschreiten wir Grenzen der Personalbelastung

"Die Kolleginnen und Kollegen sind bereits an den Grenzen ihrer menschlichen Belastbarkeit angelang."
"Die Kolleginnen und Kollegen sind bereits an den Grenzen ihrer menschlichen Belastbarkeit angelang."
Reinhard Waldhör appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen die Corona-Infektionsschutzregeln dringend einzuhalten!
 
„Besonders in den Pflegeberufen und im Gesundheitsdienst leisten die Kolleginnen und Kollegen mit hoher Kompetenz und Motivation Hervorragendes. Doch sie sind bereits an den Grenzen ihrer menschlichen Belastbarkeit angelangt – dabei steht uns der Winter erst bevor! Nur, wenn wir die Corona-Infektionsschutzregeln konsequent einhalten, können wir das Gesundheits- sowie Pflegepersonal und damit uns alle schützen. Nur so kann es gelingen, den Betrieb in den Kliniken sowie Pflegeheimen über den Winter hinweg aufrechtzuerhalten“, appelliert Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft, an die Eigenverantwortung der Menschen die Corona-Infektionsschutzregeln dringend einzuhalten.

Während versäumte Operationen in den Sommermonaten aufgeholt werden mussten und systemkritisches Personal selbst bei Infektionsverdacht weiterarbeitet, steigt nun auch die zusätzliche Belastung aufgrund steigender Covid-19-Infektionen weiter an. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zur ersten Welle der Pandemie die Aufrechterhaltung des „normalen“ Betriebs in den Krankenhäusern forciert wird. „Diese pausenlose zusätzliche Dreifachbelastung der Kolleginnen und Kollegen wird in der Debatte rund um ausreichende Reserven bei den Intensivbetten in Österreich in den Hintergrund gedrängt. Es fehlt an dringend benötigten Erholungsphasen - gerade in den Pflege- und Betreuungszentren. Die Lage wird sich durch die personellen Kapazitätsgrenzen noch weiter verschärfen“, warnt Waldhör und fordert ausreichende Personalressourcen ein.

„Die Dienstgeber in den Kliniken sind dazu aufgefordert, zu überprüfen, ob geplante Operationen tatsächlich jetzt notwendig sind. Damit die medizinische Versorgung aller Menschen auch weiterhin sichergestellt werden kann, müssen wir gemeinsam alles daransetzen, die steigenden Infektionszahlen zu senken“, schließt Waldhör.
 
 

younion: Applaus ist nicht genug! KollegInnen im Gesundheits- und Pflegesystem verdienen mehr!

Mit 26. Oktober startet der Europäische Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst (EGÖD) eine europaweite Aktionswoche unter dem Motto „Applaus ist nicht genug“. Gemeinsam leisten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheits- und Pflegesystem alles Menschenmögliche, um die Pandemie zu bekämpfen und alle anderen Aufgaben die täglich im Gesundheitsbereich notwendig sind zu erledigen. „Wir lehnen Austeritätsmaßnahmen wie die Kürzung des EU4health-Programms von 9,4 Milliarden auf 1,7 Milliarden EUR ab und fordern die angemessene Finanzierung für unsere öffentlichen Gesundheits- und Pflegesysteme“, sagt Jan Willem Goudriaan, EPSU-Generalsekretär.

„Klatschen zahlt keine Miete“
„Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Gesundheits- und Pflegewesen stehen tagtäglich unter enormem Druck und hohem Ansteckungsrisiko. Sie brauchen mehr Ressourcen um ihre Arbeit in hoher Qualität ausüben zu können. Wir brauchen eine Aufstockung des Personalstands damit mehr Zeit am Patienten und weniger Stress entstehen, die Ausstattung mit allen notwendigen Schutzausrüstungen und entsprechende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Es braucht aber auch eine Attraktivierung durch angemessene Entlohnung. Klatschen alleine hilft da nicht weiter und zahlt auch keine Miete“, erklärt Thomas Kattnig, EGÖD Vize-Präsident und Mitglied des Bundespräsidiums der younion _ Die Daseinsgewerkschaft.

Dem erneuten Anstieg standhalten
In ganz Europa ist ein rapider Anstieg der Infektionszahlen zu beobachten. Wieder müssen Gewerkschaften feststellen, dass ein Mangel an Schutzausrüstung, Material und Personal es erschwert, der zweiten Welle standhalten zu können. Zusätzlich dazu fühlen sich viele ArbeitnehmerInnen immer noch erschöpft, nachdem die erste Welle mit Müh und Not überstanden wurde.
EGÖD-Generalsekretär Jan Willem Goudriaan: "Der EGÖD und seine Mitgliedsorganisationen rufen die Europäische Union und die nationalen Regierungen dazu auf, Schutzausrüstungen für das Personal in allen Krankenhäusern, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Wir beim EGÖD setzen uns für starke öffentliche Gesundheits- und Pflegesysteme ein, die auf diese und künftige Pandemien besser reagieren können.“

Kürzung der Spitalsfinanzierung grotesk
„Es ist geradezu grotesk, dass der österreichische Finanzminister in seinem Budgetvoranschlag für 2021 die Spitalsfinanzierung um 130 Millionen Euro kürzen will! Das kann nicht die Antwort auf diese Gesundheitskrise sein und vor allem nicht die Antwort an die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheits- und Pflegebereich. Gute Gesundheitsversorgung darf keine Frage des Geldes sein“, stellt Kattnig abschließend fest.

Offensive Gesundheit überreicht Road Map an BM Anschober (28.8.2020)

Roadmap Gesundheit 2020: Die Politik ist gefordert!

Road Map Gesundheit 2020- Vorschläge für ein zukunftssicheres System der Gesundheit und Langzeitpflege

Road Map Gesundheit 2020- Vorschläge für ein zukunftssicheres System der Gesundheit und Langzeitpflege
Road Map Gesundheit 2020- Vorschläge für ein zukunftssicheres System der Gesundheit und Langzeitpflege

Österreichs ArbeitnehmerInnen im Gesundheits- und Langzeitpflegesystem stehen unter Druck, die Belastungen wachsen. Deshalb müssen dringend Maßnahmen gesetzt werden, damit ausreichend qualifiziertes Personal für eine gute Qualität der Leistungen in Zukunft gesichert ist.

Die Offensive Gesundheit und das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz haben in der „Roadmap Gesundheit 2020“ drei zentrale Handlungsbereiche mit entsprechenden Maßnahmen identifiziert, die in den Gesundheitspanels Personalbemessung, Arbeitsbedingungen und Ausbildung ausgearbeitet wurden. 

Weiterlesen und Download hier (.pdf)

Presseaussendung: Vorschläge für Reformen

Roadmap Gesundheit 2020" enthält Umsetzungsvorschlägen für ein zukunftssicheres Systems für Gesundheit und Langzeitpflege 
 
Das Sozialministerium und die von Gewerkschaften, Arbeiter- und Ärztekammer gebildete "Offensive Gesundheit" haben ihren vor zweieinhalb Monaten gestarteten Strukturdialog abgeschlossen. Die daraus entstandene "Roadmap Gesundheit 2020" mit Umsetzungsvorschlägen für die Schaffung eines zukunftssicheren Systems für Gesundheit und Langzeitpflege wurde Minister Rudolf Anschober (Grüne) am späten Montagnachmittag übergeben.
 
Inhaltlich konzentrieren sich die Ergebnisse auf die großen systemrelevanten Themen Personalbedarf, Arbeitsbedingungen und Ausbildung. Zum ersten Punkt wird in der Roadmap festgehalten, dass die Erarbeitung eines österreichweit verbindlichen, transparenten und bedarfsorientierten Personalbemessungsmodells umgehend gestartet werden müsse. Da die Entwicklungsarbeit einige Jahre in Anspruch nehmen wird, müssten zur unmittelbaren Entlastung der Beschäftigten im Gesundheitswesen und der Langzeitpflege Sofortmaßnahmen im Personaleinsatz umgesetzt werden. So dürfe es etwa pro Zuständigkeitsbereich keine Nachtdienste alleine geben und in der mobilen Pflege sollten die Fahrtzeiten einberechnet werden.
 
Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen wird in dem der APA vorliegenden Papier die Planbarkeit und Verlässlichkeit der Arbeitszeit eingefordert. Die Kontrollen in den Gesundheits- und Langzeitpflegeeinrichtungen sollten von spezialisierten Arbeitsinspektoren durchgeführt werden und die Beschäftigten sollten einen erleichterten Zugang zur Schwerarbeiterpension bekommen.
 
In Sachen Ausbildung enthält das Papier die Forderung nach kostenfreien Aus- und Fortbildungen. Praktika sollten bezahlt werden und die Deckung des Lebensunterhalts während des zweiten Bildungswegs müsse existenzsichernd sein.
Sozialminister Anschober sicherte den Vertretern der "Offensive Gesundheit" zu, dass die Ergebnisse des Dialogs in die geplante Pflegereform einfließen werden. Er betonte, dass Österreich "eines der besten Gesundheits- und Pflegesysteme der Welt" habe. Dieses gelte es zu bewahren, auszubauen und in einzelnen Bereichen die Qualität weiter zu verbessern. "Damit dies gelingt, braucht es jetzt die richtigen Rahmenbedingungen. Die Weichen dafür stellen wir im gemeinsamen Dialog mit den Institutionen, InteressensvertreterInnen und Betroffenen."
 
Für Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl enthält die Roadmap "auf beeindruckende Weise eine Sammlung von abgestimmten Forderungen aller in der Kooperative beteiligten Institutionen, die es ermöglichen, die längst überfälligen Reformen rasch voranzutreiben". ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian sieht in dem Papier einen "klaren Handlungsauftrag für die Politik", den der ÖGB unterstützt. Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres bezeichnete die Roadmap als ein Bekenntnis, was Österreich derzeit brauche, denn nur gemeinsam könne die Gesundheitsversorgung in Österreich weiterhin bestens sichergestellt werden.
 
Für alle Beteiligten steht jedenfalls fest: "Um für die österreichische Bevölkerung ein gutes Gesundheits- und Langzeitpflegesystem zu erhalten und auszubauen, braucht es Planungssicherheit, ausreichend Personal und gute Arbeits- und Rahmenbedingungen. Aufgrund der enorm wachsenden Anforderungen und drohenden Überlastung des Gesundheitssystems und der Langzeitpflege - nicht nur in Corona-Zeiten - sind fundierte Lösungen dringend notwendig." Die Roadmap sei dafür eine gute Grundlage.
 

Der Österreichische Arbeitsklima Index- Viele Beschäftigte greifen wegen zu hoher Arbeitsbelastungen zu Medikamenten

Arbeitsklimaindex: Um trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen zur Arbeit gehen zu können, nehmen viele Beschäftigte mehr oder weniger regelmäßig Medikamente.
Arbeitsklimaindex: Um trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen zur Arbeit gehen zu können, nehmen viele Beschäftigte mehr oder weniger regelmäßig Medikamente.

Ein Drittel geht krank zur Arbeit
Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie steigt das Bewusstsein vieler Beschäftigter,
dass man mit Krankheitssymptomen nicht in die Arbeit gehen soll. Während
in der heißen Phase des Shutdown noch bis zu zwei Drittel der Beschäftigten trotz
gesundheitlicher Beschwerden gearbeitet haben, ist dieser Wert über den Sommer
auf ein knappes Drittel gesunken. Hoch ist hingegen weiterhin die Zahl jener, die
aufgrund hoher Arbeitsbelastungen Medikamente nehmen müssen.

Der Österreichische Arbeitsklima Index belegt, dass die Beschäftigten in Krisenzeiten
eher dazu neigen, krank zur Arbeit zu gehen. Schon während der Wirtschaftskrise
in den Jahren 2008 bis 2010 sind zwischen 37 und 45 Prozent der Beschäftigten
krank zur Arbeit gegangen. Seit dem zweiten Halbjahr 2012 hat sich dieser
Wert ziemlich konstant bei rund einem Drittel der Beschäftigten eingependelt.

Weiterlesen (.pdf)

Video der Offensive Gesundheit: „Mehr von uns. Besser für uns alle.“

Offensive Gesundheit