COVID als Berufskrankheit

Die Offensive Gesundheit hat sich mit dem Thema "COVID als Berufskrankheit" befasst
Die Offensive Gesundheit hat sich mit dem Thema "COVID als Berufskrankheit" befasst

Infiziert sich ein/eine Arbeitnehmer*in in Ausübung einer versicherten Beschäftigung, muss der Verdacht auf eine Berufskrankheit gemeldet werden. Gem. § 363 Abs. 1 und 2 ASVG ist jeder Verdacht auf eine Berufskrankheit beim Unfallversicherungsträger zu melden. Als Verdachtsfälle auf eine Berufskrankheit durch Infektion mit dem Coronavirus sind jedenfalls Fälle zu melden, in denen ein positiver Labortest auf COVID-19 (SARS-CoV-2) vorliegt und der Verdacht auf einen beruflichen Zusammenhang gegeben ist. Die Beurteilung, ob eine Berufskrankheit vorliegt, obliegt letztendlich dem Unfallversicherungsträger.

In folgenden Bereichen gelten Infektionskrankheiten als Berufskrankheiten:
• Krankenhäuser, Heil- und Pflegeanstalten
• Entbindungsheime und sonstige Anstalten, die Personen zur Kur und Pflege aufnehmen
• Öffentliche Apotheken
• Einrichtungen/Beschäftigungen in der öffentlichen und privaten Fürsorge, in Schulen, Kindergärten und Säuglingskrippen und im Gesundheitsdienst
• Laboratorien für wissenschaftliche/medizinische Untersuchungen und Versuche
• Justizanstalten und Hafträume der Verwaltungsbehörden
• Unternehmen mit vergleichbarer Gefährdung

Ohne Meldung keine Anerkennung! Melden Sie eine mögliche Berufskrankheit sowohl der AUVA als auch Ihrem Dienstgeber!

Ein Formular und alle Adressen zur Meldung an die AUVA finden Sie hier (.pdf)

Weitere Informationen finden Sie bei der AUVA unter

Das dunkle Zeitalter der Krankenpflege

Personalmangel und chronische Überarbeitung gibt es in der Pflege nicht erst seit Corona. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es eigentlich schon immer so war
von Marliese Mendel

Der Staat ließ sich mit der Regelung zur Ausbildung aber Zeit – solange, bis es in den Jahren 1912 und 1913 die Balkankriege gab. In den Lazaretten kümmerten sich nur freiwillige, unbezahlte und oft ungeschulte Krankenschwestern um die Verwundeten und es war bald klar, dass es ausgebildetes Personal braucht, um die Pflege zu verbessern.

Trotzdem dauerte es noch fast ein Jahr, bis die Verordnung betreffend die berufsmäßige Krankenpflege am 25. Juni 1914 in Kraft trat. Die Verordnung enthielt unter anderem, dass die Schülerinnen Geduld und Aufopferungsbereitschaft zur zweijährigen Ausbildung mitzubringen hätten, und auch das Heiratsverbot blieb bestehen – in Kärnten sogar bis in die 1950er-Jahre.

Krankenschwestern auf Kriegsschauplätzen
Die Verordnung kam zu spät, um für den Ersten Weltkrieg genügend ausgebildete Krankenschwestern zu haben. Der Krieg begann nur knapp ein Monat später, am 28. Juli 1914. Tausende freiwillige, oft ungeschulte Armeeschwestern traten ihren Dienst an: in Kriegskrankenhäusern, in Lazaretten und direkt an der Front. Sie assistierten Ärzten bei Operationen, versorgten Verwundete und spritzten totgeweihten Soldaten Morphium. Die Schwestern arbeiteten inmitten von Kampfhandlungen oft tagelang ohne Schlaf und wochenlang, ohne aus den Kleidern zu kommen – manch eine geriet in Kriegsgefangenschaft.

Für ihren Dienst erhielten sie kein oder nur sehr wenig Entgelt, und als die rund 25.000 Frauen nach Kriegsende zurückkehrten, standen sie vor dem Nichts.

Krankenschwestern in der Ersten Republik
Zeitungsausschnitt Arbeiter-Zeitung 1925Zeitungsausschnitt Arbeiter-Zeitung 1925 Arbeiter-Zeitung
Das Ministerium für soziale Fürsorge versuchte, für die arbeitslosen Armeeschwestern neue Arbeitsplätze zu finden – nämlich dort, „wo sie hingehörten“: in die Land- und Hauswirtschaft und in die Heimarbeit. Auf Druck der 1917 gegründeten Gewerkschaft der geschulten Krankenpflegerinnen unter der Leitung von Lucie Loch gelang es schließlich, dass die Armeeschwestern abgekürzte Ausbildungen zur diplomierten Krankenschwester absolvieren durften.

Auch wenn in der Ersten Republik nun wieder Krankenschwestern ausgebildet wurden, herrschte großer Mangel. Manche Spitäler mussten deshalb Krankensäle schließen. Die nächsten Jahre waren von alten Forderungen geprägt: Diplomkrankenschwestern sollten weiterhin durch Nonnen ersetzt werden und wegen den Sparmaßnahmen kam es schließlich zum Personalabbau sowie zu Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen.

Die gewerkschaftlich organisierten Frauen antworteten mit „Passiver Resistenz” (Dienst nach Vorschrift), Resolutionen und Versammlungen. All dies half aber nichts: Die Arbeitszeit wurde von 48 auf 56 Wochenstunden angehoben, die Nachtschichtzulage gestrichen und der Vierwochenurlaub gekürzt.

Krankenschwestern während des Austro- und Nationalsozialismus
Es kam noch schlimmer. Nach den Februarkämpfen 1934 verboten die Austrofaschisten die freien Gewerkschaften – darunter auch Lochs Fachorganisation – und alle, die in Krankenpflegeschulen lernen wollten, mussten Mitglied in der faschistischen Partei „Vaterländische Front“ sein.

Nach dem sogenannten Anschluss im März 1938 wurden wieder mehr Schulen eröffnet. Das NS-Regime hatte errechnet, dass in Österreich 70.000 PflegerInnen fehlten. Diese sollten nun nach deren menschenverachtenden Ideologie ausgebildet werden. Juden und Jüdinnen waren ob der Rassengesetze von der Ausbildung ausgeschlossen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden wieder Krankenschwestern an die Front geschickt. Sie beteiligten sich aber auch an der „Vernichtung unwerten Lebens“ (behinderte Menschen), arbeiteten in Konzentrationslagern und assistierten bei Zwangssterilisierungen (rund 400.000 allein in Österreich und Deutschland) sowie Zwangsabtreibungen von „erbkranken“ Babys.

Personalmangel in der Zweiten Republik
Frauen warten in einem Krankenhaus, Quelle: ÖGB-BildarchivWarteraum im Krankenhaus, Quelle: ÖGB-Bildarchiv Kammler
Im Jahr 1948 wurde die Nachfolgerin von Lochs Gewerkschaft gegründet, die bis heute existierende ARGE FGV für Gesundheits- und Sozialberufe, deren VertreterInnen damals wie heute vor großen Herausforderungen standen: Mangel an Pflegepersonal, überlange Arbeitszeiten und Unterbezahlung der Beschäftigten. Erreicht wurden zwar Kollektivvertragsabschlüsse und die Akademisierung des Pflegeberufs, aber spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar: Es braucht noch viele weitere Verbesserungen.

Die Gewerkschaftsgründerin Lucie Loch

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Krankenschwestern in Ausbildung, circa 1960

Mitten im Ersten Weltkrieg gründete eine Frau eine Gewerkschaft der Krankenpflegerinnen
von Marliese Mendel

Viel ist von der Gründerin der Gewerkschaft der Krankenpflegerinnen, Lucie Loch, nicht bekannt. Sie kam am 8. Februar 1881 in Ostpreußen auf die Welt, lebte in Berlin, zog während des Ersten Weltkrieges nach Wien, kämpfte im Widerstand gegen die Austrofaschisten, flüchtete vor den Nationalsozialisten zuerst in die Schweiz, dann nach Frankreich und starb am 13. Dezember 1943 in New York. Die englische Exilzeitung der österreichischen Sozialisten widmete der „bekanntesten weiblichen Gewerkschaftsvertrauenspersonen in Österreich“ einen kurzen Nachruf.

Darin stand zu lesen, dass es ihr gelungen war, die Krankenpflegerinnen beinahe vollständig zu organisieren, dass die Gewerkschaftsmitglieder ihr vertraut und sie verehrt hätten, sie eine willensstarke und unkonventionelle Persönlichkeit gewesen sei.
Dann geriet sie in Vergessenheit, geblieben ist nicht einmal ein Foto – und nur Fragmente ihrer Biografie.

Kopfschussstation
Lucie Loch kam während des Ersten Weltkriegs nach Wien und arbeitete als Pflegerin im Kriegslazarett für Kopfverletzte – der Kopfschussstation – in der Heniksteinvilla im heutigen Bezirk Döbling. Der militärische Spitalskommandant Otto Buchner leitete das Lazarett mit eisernem Drill und Disziplinierungen gegenüber den Pflegerinnen.

Darüber war Loch empört. Sie begann, sich zu wehren und wurde Sprecherin des Personals. Im November 1917 gründete sie mit Kolleginnen eine gewerkschaftliche Organisation, die Fachorganisation der geschulten Krankenpflegerinnen, Fürsorgerinnen und verwandter Berufe. Ihre Ziele waren das Ende der 36-Stunden-Schichten sowie die Normierung der Ausbildung und Gehaltserhöhungen, damit die Pflegerinnen nicht mehr auf die Trinkgelder der Kranken angewiesen waren. Denn von den während des Krieges verliehenen Goldenen Verdienstkreuzen am Bande und den Tapferkeitsmedaillen konnten sich die Frauen nichts kaufen.
Kriegskrankenschwestern
Loch gab im Jahr 1919 ihre Tätigkeit als Krankenpflegerin auf und widmete sich ganz der Gewerkschaftsarbeit. Unmittelbar nach Kriegsende fokussierte sie auf die Versorgung der rund 25.000 Krankenschwestern, Hilfsschwestern und Helferinnen, die während des Kriegs unbezahlt oder für geringe Löhne in Lazaretten an der Front gearbeitet hatten. Sie standen nach ihrer Rückkehr „vom Felde“ vor dem Nichts. Die Monarchie hatte für die Frauen nicht vorgesorgt und die junge Republik war anfangs mehr mit der Versorgung der heimkehrenden Soldaten beschäftigt.

Erste Erfolge
Der erste Durchbruch gelang im März 1918 für diplomierte Krankenschwestern: Verdoppelung des Gehalts und Verbesserungen beim Bezug von Naturalbezügen sowie die Einführung des Zehnstundentags, zwei freie Halbtage pro Woche, Anspruch auf vier Wochen bezahlten Erholungsurlaub sowie volle Verpflegung und kostenlose Arbeitskleidung. Die Unterbringung von diplomierten Krankenschwestern in Schlafsälen wurde verboten und Ober- und Lehrschwestern standen Einzelzimmer zu.
Der zweite Erfolg war die Versorgung der Armeeschwestern. Sie erhielten die Möglichkeit, sich zu diplomierten Krankenschwestern oder in anderen Berufszweigen ausbilden zu lassen. „Kriegsbeschädigte“ erhielten in Ambulatorien kostenlose Behandlung.

Sparmaßnahmen
Im Jahr 1923 legte der Staat ein Sparprogramm vor und dieses enthielt u. a. auch, dass weltliches Pflegepersonal in Krankenhäusern gekündigt werden sollte. Der Grund dafür: Krankenschwestern mussten bezahlt werden, Nonnen arbeiteten hingegen für einen geringen Obolus. Loch kämpfte auf das „Energischste“ dagegen an, dass hunderte geschulte und seit Jahren berufstätige Krankenpflegerinnen abgebaut und durch ungeschulte Nonnen ersetzt werden sollen. Dies sei ein Verbrechen an der Volksgesundheit und für die arbeitslos gewordenen Krankenschwestern bedeute dies das Elend, sagte sie. Zur Hilfe kam ihr der simple Umstand, dass es einfach nicht genügend Nonnen gab und die Krankenschwestern ihre Posten behalten konnten.
Krankenschwester berät junge PatientinKrankenschwester berät junge Patientin
Immer wieder vertrat Loch die Interessen der Krankenschwestern bei Versammlungen, bei stürmischen Debatten um Gehaltserhöhungen, aber auch, als das Dienstrecht verschlechtert werden sollte. Die Lage verschlimmerte sich während der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Im Jahr 1931 erging trotz massiven Widerstands der Frauen eine neue Dienst- und Besoldungsordnung: die Wochenarbeitszeit betrug nun 54 statt bisher 48 Stunden, Ausbildungszeiten wurden nicht mehr an die Pension angerechnet, die Pragmatisierung wurde abgeschafft, der Vierwochenurlaub gekürzt, die Dienstkleider mussten von den Krankenschwestern selbst gekauft und auch gereinigt werden. Statt wie bisher in Einzel- und Doppelbettzimmern sollten die Schwestern in „kasernenartigen Unterkünften“ untergebracht werden. Alle Aktionen gegen die Verschlechterungen endeten mit den Februarkämpfen 1934.

Im Untergrund
Nach den Februarkämpfen 1934 verboten die Austrofaschisten die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Freien Gewerkschaften. Lochs offizielle Arbeit als Gewerkschaftssekretärin endete. Sie ging, wie viele ihrer sozialdemokratisch und/oder gewerkschaftlich engagierten Mitstreiterinnen in den Untergrund und sie war Mitglied des zentralen Frauenkomitees der illegalen Gewerkschaften. Ihre Wohnung wurde zum Treffpunkt und Versteck vieler von den Austrofaschisten Verfolgten. So trafen sich etwa Redakteure der nun verbotenen Arbeiter-Zeitung oder die Gründerin des AK-Frauenreferats Käthe Leichter bei ihr.

Nach dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938 wollte sie eigentlich im Untergrund weiterarbeiten, aber die Nationalsozialisten suchten sie bereits: die Jüdin, die Gewerkschaftsgründerin. Sie floh zuerst in die Schweiz, dann nach Frankreich und schließlich nach New York – hielt aber immer Kontakt zu österreichischen SozialistInnen und GewerkschafterInnen im Exil.
Am 13. Dezember 1943 starb sie im Alter von nur 62 Jahren in New York. Der Nachruf in der Exilzeitung endete mit dem Satz: Lucie Loch war eine vorbildliche Gewerkschafterin, eine opferbereite und mit der Bewegung tief verbundene Sozialistin, (…) eine in sich geschlossene, kraftvolle Persönlichkeit.

Geblieben ist von Loch, dass aus ihrer 1917 gegründeten Fachorganisation die heute noch aktive ARGE Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe im ÖGB entstanden ist.

Weltweite Befragung von Pflegekräften

Die internationale Vereinigung im Gesundheit- und Sozialbereich UNI GLOBAL SOCIAL erhebt, wie es Pflegekräften an vorderster Front in den Bereichen Alten-/Pflegeheime und ambulante Pflege weltweit geht. Dabei streben wir gemeinsam mit UNI GLOBAL SOCIAL eine repräsentative Anzahl von Antworten von jedem Kontinent an. Die Ergebnisse fließen in unsere Arbeit ein, und wir haben die Möglichkeit, dort wo es den Beschäftigten in diesem Bereich gut geht, nach zu fragen, was gute Arbeitsbedingungen ausmacht.

Bitte beteilige dich an dieser Umfrage und leite diese Umfrage auch an deine KollegInnen im Bereich weiter!
(Bitte entschuldigt die manchmal holprige deutsche Sprache – aber diese Umfrage läuft auf der ganzen Welt und musste in viele Sprachen übersetzt werden.)

Link zur Umfrage: https://unicare2021survey.questionpro.com 

Neue Ausgabe Gesund & Sozial 4 2020

Gesund und Sozial 4 2020 Covid
Gesund und Sozial 4 2020

Warum sind auf den COVID- Stationen so viel Person erforderlich? Diese Frage beantwortet DGKP Sabine Gabath in der Coverstory der aktuellen Ausgabe. 

Weitere Themen sind Nosokomiale Infekte und eine Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich, die aufzeigt, dass Frauen sich in systemrelevanten Berufen oft verausgaben: "PflegerInnen in der Krise: Arbeiten am Limit".

Zum Download (.pdf)

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ACHTUNG neue Adresse!
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